Über ihr Karriere-Aus und ihren Neustart

Elizabeth Görgl im MADONNA-Talk

Mit 378 gefahrenen Weltcup-Rennen ist die 36-jährige Elisabeth „Lizz“ Görgl die Grande Dame des Ski-Sports. Mit MADONNA sprach sie über ihr Karriere-Aus und ihren Neustart – als Sängerin!

In ihrem Heimatort in der Steiermark steht am „Lizz-Görgl-Platz“ sogar eine Statue von ihr. Aber nicht nur in ihrer Heimatgemeinde wird ihrer gehuldigt – Lizz Görgl (36) ist eine Skifahrerin, die nicht nur durch Podestplätze in den Köpfen der Skifans bleibt, sondern durch ihren starken Willen, ihr Durchhaltevermögen, ihre Verbissenheit, ihre nachdenkliche Art und vor allem ihre Ehrlichkeit. Und diese Ehrlichkeit ließ die gebürtige Steirerin am 12. Juni vor die Presse treten und unter Tränen sagen: 
„Ich werde mit dem heutigen Tag meine Karriere als Skirennläuferin beenden“.    
Rekorde und Siege. Die Bilanz der „Sportlerin des Jahres 2011“ ist beachtlich: 378 trat sie beim Weltcup an, sieben Mal siegte sie in Abfahrt, Super-G und Riesentorlauf. 42 Podestplätze waren es insgesamt. Sogar ein Geschichtseintrag ist der 36-Jährigen gewiss: Mit ihrem Sieg in Val d’Isere 2014 löste sie Landsfrau Michaela Dorfmeister als älteste Weltcupsiegerin aller Zeiten ab. Ihr größter und schönster sportlicher Erfolg bleibt jedoch die Doppelweltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen 2011, wo sie nicht einmal 24 Stunden zuvor den offiziellen WM-Song zum Besten gab. Und genau hier knüpft „Tausendsassa“ Görgl nun an. Privat mit dem Profi-Musiker Chris Harras liiert und schon als Kind begeistert im Chor gesungen, verrät sie in MADONNA ihre Zukunftspläne. Und davon gibt es viele.
 
Frau Görgl, Sie haben an einem Punkt Ihre Karriere als Spitzensportlerin beendet, an dem Ihre Leistungen noch top waren. Warum haben Sie dennoch Schluss gemacht? 
Elisabeth „Lizz“ Görgl: Das Hauptthema war und ist, was ich wollte. Ich hatte ÖSV-interne Gespräche und hätte die volle Unterstützung gehabt, auch noch individueller zu trainieren, aber ganz konkret: Hans (Anm.: ÖSV-Sportdirektor Hans Pum) hat gemeint „Lizz, du musst dich selbst fragen: Willst du noch?“ Unabhängig von meinen Leistungen – weil man ja gesehen hat, dass ich immer noch Leistung bringen kann, wie in Crans Montana oder auch beim Saisonfinale in Aspen. Ich habe mir wirklich Zeit gelassen und dann kam ein Moment, in dem ich mich in die Startsituation hineinfühlte und mich gefragt habe: Okay, will ich da jetzt wirklich noch hundertprozentig runter und habe ich vor allem den vollen Spaß dabei? Meine Antwort lautete: Nein, ich brauche es nicht mehr, und dann habe ich es gewusst. Es war eine coole Zeit, ich habe sie intensiv ausgelebt. Du hast so viele Menschen, die mit dir an deinen Zielen arbeiten und dich unterstützen, und es ist schön, wenn alle für deinen Traum mitkämpfen. Das ist ein Privileg, aber jetzt ist es Zeit für etwas Neues.

Und da haben Sie ja wie im Skisport vor, nicht nur in einer Disziplin durchzustarten, wie man so hört?
Görgl: (lacht) Ja, genau. Also sehr schlüssig und auch seit Jahren in meinem Kopf ist das Trainer-Sein. Da mache ich derzeit die Ausbildung und es ist sehr interessant, zu meiner Praxis auch die Theorie zu erfahren. Es ist mir ein allgemeines Anliegen, ein Bewusstsein zu Sport, Bewegung und Gesundheit für die Gesellschaft zu schaffen. Auch Motivation ist ein Thema, das ich gerne weiterverfolgen möchte, vielleicht in Kooperation mit Firmen in Form von Workshops. Ein lustiger Zufall ist meine Tätigkeit als Markenbotschafterin für RMB (Robin Modul Bau). Ich habe schon einmal überlegt, Innenarchitektin zu werden und zeichne selber gerne, und was RBM macht, ist höchst praktisch und spannend. 
 
Und wie kam es zu Ihrem Song „It’s up to you“?
Görgl: Schon als ich klein war, habe ich im Chor gesungen und bei der WM dann den Eröffnungssong. Das war das erste Mal, dass ich so etwas gemacht habe und es war echt ein Spaß! Letzten Herbst habe ich dann gesagt, ich möchte einen eigenen Song machen. Ich habe die Lyrics geschrieben, einen Großteil der Melodie selbst komponiert – die dritte Strophe ist an einem Nachmittag in Lake Louise, als ich Zeit hatte, entstanden – und Chris (Anm.: Harras) hat dann den Song mit Christina Stürmers Freund Oliver Varga produziert. Es ist also ein professionelles Projekt und ich habe eine Riesenfreude damit.
 
Wenn man den Entstehungszeitraum nicht kennt, könnte man fast glauben, der Song ist eine Verarbeitung des Karriereendes.
Görgl: Nein, da war schon etwas Zeit dazwischen. Im Text geht es grundsätzlich um meine Einstellung zum Leben: An sich selbst arbeiten und dass man die richtigen Lösungen in sich selbst spürt. Dann findet man sein eigenes Glück, ganz egal, in welchem Bereich. Das ist meine Botschaft. 
 
Sie haben ja für die Liebe, für Musiker Chris Harras, Ihren Lebensmittelpunkt von Innsbruck nach Maria Enzersdorf verlagert...
Görgl: Ja, das war Ende April 2016. Nach der letzten Saison habe ich gesagt, das geht so nicht mehr. Das ständige Pendeln ist ja für einen Sportler auch nicht gerade regenerativ. Ich habe vom Olympiazentrum Innsbruck vor allem das ganze Konditionstraining nach Wien verlagert.  Ich fühle mich sehr wohl im Wiener Raum und schätze die vielen Möglichkeiten an Unterhaltung und Infrastruktur. Mein Freund und ich sind sehr glücklich. 
 
Ihr Resümee Ihrer bisherigen Karriere?
Görgl: Ich möchte keine Sekunde missen. Ich bin ein aktiver und dynamischer Mensch, der neue Herausforderungen und Aufgaben liebt. Das Wichtigste für mich ist die Selbstreflexion. Bedürfnisse und Prioritäten verschieben sich im Laufe des Lebens. Nichtsdestotrotz sehe ich meine Karriere als Privileg. Und: Jeder Mensch hat ein Talent mitgekriegt, das er auch ausleben können soll. Das wünsche ich allen.
 

ZUR PERSON
„Tausendsassa“. Die gebürtige Steirerin Lizz Görgl ist die Grande Dame des Skisports. Die Allrounderin auf den Skiern konnte in allen Weltcup-Disziplinen Podestplätze feiern. Nach 20 Jahren beim ÖSV, 378 Weltcuprennen und 42 Podestplätzen beendete sie am 12. Juni mit 36 Jahren ihre Profikarriere. Ihr größter und schönster sportlicher Erfolg war die Doppelweltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen 2011, wo sie am Tag davor auch den WM-Song auf der Bühne sang. 
 

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