Über ihren neuen Job

Eva Glawischnig im MADONNA-Talk

„Verrat“, „kein Gewissen“, „Käuflichkeit“ sind Vorwürfe, mit denen die Ex-Obfrau der Grünen aktuell konfrontiert wird. Denn: Die Juristin wechselt als Managerin zum Konzern Novomatic.

Zwei Tage nach ihrem 49. Geburtstag sah Eva Glawischnig als richtigen Zeitpunkt, ­ihren beruflichen Neustart im Rahmen einer Pressekonferenz kundzutun. Womit die ehemalige Klub­obfrau der Grünen – sie trat aus gesundheitlichen Gründen im Mai 2017 von dieser Position zurück – eine gewaltige Bombe platzen ließ: Die Juristin wechselt zum Glücksspielkonzern Novomatic. Zu jenem Konzern, dem sie vor knapp einem Jahr noch „Gesetzeskauf“ vorwarf und den zu bekämpfen sich die Grünen seit Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht haben.   

Neue Wege. Ihre künftige Berufsbezeichnung: Head of CR für die Bereiche Corporate Responsibility und Sustainability. Nicht das Geld („Ich verdiene nicht mehr als als Klubobfrau der Grünen“), sondern die Internationalität seien schlussendlich ausschlaggebend für die Ex-Politikerin und zweifache Mutter (Sebastian, 11, und Benjamin, 8) gewesen, sich für Novomatic zu entscheiden. Mit MADONNA sprach Eva Glawischnig über ­ihre achtmonatige Auszeit, ihre Familie, die Grünen und warum sie den mutigen Karriereschritt gewagt hat.

Frau Glawischnig, vor acht Monaten haben Sie gesagt, Sie wollen die „Warnzeichen des Körpers“ nicht ignorieren und Privatperson sein. Ist Ihnen das gelungen?
Eva Glawischnig:
Ja! Ich habe viel gekocht und jedenfalls mehr gegessen (lacht), aber auch viel Sport gemacht, in der freien Natur, was ich immer schon geliebt habe, aber nicht immer Zeit dafür hatte.


Wie stand Ihr Ehemann, Volker Piesczek (48), zu Ihrem Rücktritt?
Glawischnig:
Er hat mich zu tausend Prozent unterstützt und auch die Entscheidung in dem Sinne mitgetragen, als dass er auch meine Grenzen schon viel früher gesehen hat. Neun Jahre an der Spitze einer Partei … das kann man wirklich nicht ewig machen. Er hat immer sehr mitgelitten (lacht). Das war für ihn oft auch keine einfache Situation, weil er natürlich seine Frau beschützen wollte, es aber oft einfach nicht konnte oder auch nicht durfte. Das waren für ihn schon auch Spannungsfelder.


Wie haben es Ihre Söhne aufgenommen, dass Mama plötzlich mehr daheim ist?
Glawischnig:
Die haben sich wahnsinnig schnell darauf eingestellt und sehr genossen. Wir hatten wirklich sehr viel Spaß, waren viel unterwegs. Ohne die Dinge, die sie so sehr genervt haben, wie mein ständig bimmelndes Handy. Jetzt habe ich oft tagelang mein Handy nicht angeschaut. Diese Direktheit, die du auf einmal hast, wenn du nicht ständig auf Abruf bereitstehen musst, das hat meine Kinder sehr entspannt. Es war einfach eine andere Qualität von gemeinsamer Zeit.  


Wird man hier wehmütig, was man die letzten Jahre vielleicht verpasst hat bzw. wo man noch präsenter hätte sein können?
Glawischnig:
Na ja, als zweifache Mutter einen Führungsjob zu meistern, ist schon eine Herausforderung, aber da habe ich seitens der Grünen immer viel Support und Verständnis erfahren. Auch jetzt bei Novomatic sind es 49 Prozent Frauenanteil, das Unternehmen hat eine Auszeichnung für Elternfreundlichkeit erhalten, die Work-Life-Balance der Mitarbeiter ist sehr wichtig. Das wusste ich nicht und das ist auch ein Pluspunkt.


Wegen Ihres Wechsels zu Novomatic stehen Sie ja aktuell hart in der Kritik. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Glawischnig:
Über den ständigen Dialog zum Glücksspiel in den vergangenen 20 Jahren sind wir zusammengekommen, so hat sich ergeben, über eine Zusammen­arbeit einmal nachzudenken. Dann war es eine bewusste Entscheidung, also ich hätte auch andere Angebote gehabt.


Warum haben Sie sich dann für Novomatic entschieden und nicht dafür, beispielsweise als Juristin in einem Umweltunternehmen zu arbeiten?
Glawischnig:
Mich hat die Industrie schon immer gereizt, insbesondere diese globale, internationale Dimension: Der Konzern hat nur ein paar Prozente Umsatz in Österreich, der Rest spielt sich inter­national ab. Ich bin Juristin. Ich habe ein präzises Verständnis von internationalem Recht, Umweltrecht, das bringe ich ein. Natürlich, ich verstehe, dass es manche nicht verstehen. Das ist total okay. Dass es Kritik gibt und gegeben hat, das weiß ich und das war mir von Anfang an klar. Aber ja, warum deshalb keinen internationalen Management-Job annehmen.


Was genau werden Ihre Aufgaben sein?
Glawischnig:
Es handelt sich de facto um eine horizontale Funktion über den ganzen globalen Konzern hinweg. Mein Job wird es sein, den Bereich Sustainability, also Nachhaltigkeit im ganzen Konzern auszurollen. Dabei geht es um die Industrieproduktion, aber auch um Responsible Gaming, Spielerschutz und Jugendschutz, Gesundheitsbelange der Mitarbeiter, Datenschutz und mehr. Nun habe ich die Chance, das anzutreiben.


Ist diese Chance vereinbar mit Ihrer Mitgliedschaft bei den Grünen?
Glawischnig:
Ich habe diese ruhend gelegt. Aber vom Herzen her – von meinen Werten für Ökologie, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sozialen Zusammenhalt – werde ich immer grün bleiben.
 

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