#WomenSupportingWomenChallenge

Selfies mit Sinn?

Vergangene Woche fluteten zahlreiche Schwarz-Weiß-Selfies das Netz. Was die #WomenSupportingWomenChallenge bezwecken soll und wie sie begann, lesen Sie hier.

Knapp 6,5 Millionen schwarz-weiße Selfies machen derzeit unter dem Hashtag #WomenSupportingWomen auf Social Media die Runde. Das Motiv: vornehmlich Frauenporträts. Im Rahmen der Aktion soll es den Bildunterschriften zufolge um Empowerment gehen, Schwesternschaft, starke Frauen, die andere Frauen unterstützen und sich gegenseitig dazu aufrufen, ihre Fotos zu teilen. Die Bilder zieren Frauen unterschiedlichster Hautfarben, Trans- und Cis-Frauen, junge, alte, dicke und dünne. Doch was genau will die diverse Teilnehmerinnenschaft ausdrücken und kann man #ChallengeAccepted sogar als eine feministische Kampagne deklarieren?  


Was ist die Aussage?
Dies stellten zuletzt unterschiedlichste Medien und User infrage. Obwohl der Ansatz ehrlich und feministisch wirke, bringe die vermeintliche Challenge keine neuen Argumente oder Ideen in die bestehende Debatte ein. Die übergreifende Botschaft scheine einfach nur, „dass Frauen schön und wundervoll sind und wir uns gegenseitig unterstützen sollen“, wie der „Guardian“ kommentierte. Auch, woraus genau die Challenge bestehe, bleibe unklar. Dass sich Frauen untereinander solidarisch zeigen und marginalisierte Gruppen wie etwa Trans-Frauen einbinden, gilt in der feministischen Bewegung durchaus als politischer und wünschenswerter Akt. Allerdings stellt sich nicht nur bei den Selfies prominenter Frauen wie Khloé Kardashian oder Reese Witherspoon die Frage, ob statt des Hashtags nicht realpolitische Aktionen zielführender gewesen wären: Informationen über frauenpolitische Themen oder die finanzielle Unterstützung von feministischen Organisationen beispielsweise. Doch was, wenn hinter #WomenSupportingWomen schlicht und ergreifend keine politische Motivation steckte? Auf der Suche nach dem Ursprung der Challenge findet sich kein feministisches Moment, kein direkter Auslöser, ­keine politische Subversion.


Zeitlose Challenge. In einem Artikel der „New York Times“ heißt es, die Challenge gebe es seit 2016 in unterschiedlichen Formen in sozialen Netzwerken. Zunächst sei es darum gegangen, auf Krebserkrankungen aufmerksam zu machen. Später sei ihr Ziel „Positivität“ gewesen. Tatsächlich gibt es Artikel aus dem Jahr 2016, die ebenfalls nach dem Ursprung der Challenge suchten – und keine eindeutige Erklärung dafür fanden. Zumindest eine Theorie, wonach die Schwarz-Weiß-Challenge im Zusammenhang mit Femiziden in der Türkei aufgetaucht sei, hat Instagram laut diverser Medienberichte nach einer Untersuchung der Posts kürzlich dementiert. In der Türkei werden besonders viele Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet, allein im vergangenen Jahr sollen es nach Angaben der Initiative „Wir stoppen Frauenmorde“ 474 Fälle gewesen sein. Immerhin brachte die Challenge, auch wenn nicht beabsichtigt, verstärktes Bewusstsein für dieses Problem. Andere Theorien besagen, dass die Welle an #ChallengeAccepted-Posts nach einer Rede von der US-Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez begonnen haben soll. Ocasio-Cortez war darin (wie berichtet) auf die sexistische Beleidigung eines anderen Abgeordneten eingegangen und hatte Sexismus als gesamtgesellschaftliches Problem hervorgehoben.
Letztlich fehlt bei der Selfie-Challenge ein klarer Verweis auf einen solchen Zusammenhang. Ob #WomenSupportingWomen auf die Frauen hinter den Bildern tatsächlich eine bestärkende Wirkung hat, ist sicherlich relativ. Ein netter Effekt des Hashtags wäre es jedoch allemal. Und vielleicht muss man von manchen Dingen im sozialen Netz auch gar nicht mehr erwarten als das.

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