Studenten protestierten

Eklat um Alice Schwarzer

Für Aufregung an der Wiener Universität sorgte in dieser Woche Alice Schwarzer. Ausgerechnet die Feminismus-Ikone wurde der Diskriminierung bezichtigt.

Es geht einfach nicht, dass schon wieder eine weiße Frau etwas dazu sagen darf“, so eines der Argumente der ÖH-Vertrete­rinnen, die in dieser Woche gegen einen prominenten Gast an der ­Wiener Universität für angewandte Kunst mobilmachten. Niemand Geringerer als die deutsche Feminismus-Ikone Alice Schwarzer war eingeladen worden, mit der „Klasse für Ideen“ und deren Professor am Podium zu diskutieren. Auf Begeisterung stieß dies nicht bei allen StudentInnen. Auf Facebook und via Flugblatt protestierte man im Vorfeld zu der für Montag angesetzten Veranstaltung: „Als studentische Vertretung, die für einen diskriminierungsfreien Diskurs steht, setzt sich die Hufak für eine diskriminierungsfreie Universitätskultur und ein sicheres, solidarisches und respektvolles Umfeld für alle ein“, so die StudentInnenvertretung, die der „Emma“-Herausgeberin vorwerfen, „unter dem Deckmantel des Feminismus antimuslimischen Rassismus“ zu verbreiten. Ebensolchen gelte es gerade an einer Hochschule zu verhindern. 
 
Hintergrund: Die 76-jährige Mitbegründerin der Frauenbewegung in den 1970er-Jahren äußert sich in den letzten Jahren immer wieder islamkritisch, wobei die Journalistin darauf Wert legt, dass sie lediglich den „politisierten Islam“ infrage stelle, „der eine rechte Ideologie ist“, wie Schwarzer festhält. Ihre Kritiker an der Wiener Universität konnte sie damit nicht besänftigen – im Gegenteil … 

Zum Showdown kam es, als Alice Schwarzer trotz der Kritik auftrat. Unter Zwischenrufen („Das ist antimuslimischer Rassismus“) versuchte sie, sich und ihren Kampf gegen den „Kreuzzug des ­politischen Islam“ zu erklären. Auch ihre positive Haltung zum Kopftuchverbot an Schulen und für Mädchen unter 14 Jahren argumentierte Schwarzer einmal mehr. Dass man in Wien so harsch auf sie reagierte, dürfte die diskussionsfreudige Wuppertalerin dann doch verwundert haben. „Jetzt ist Schluss“, zischte sie, als es ihr zu laut wurde. Im „Falter“-Gespräch legte Schwarzer dann nach und nennt den Protest einen „Angriff auf die Rede- und Denkfreiheit“. Die ÖH-Vertreterinnen wiederum betonten, niemandem „irgendeine Meinung verbieten“ zu wollen. „Wir wünschen uns eine Bühne, auf der mehrere Stimmen gehört werden. Die Geschichte des Feminismus ist nicht nur weiß.“ Und: „Ihre Herangehensweisen, die sie als feministisch bezeichnet, sind veraltet und inakzeptabel.“
 
Alice Schwarzers Rolle als Ikone der Gleichberechtigung scheint für manche ausgedient zu haben. Für einen impulsiven Diskurs sorgt sie aber allemal. 

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